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C L A S S : a k t u e l l

Keine Angst vor Klangschönheit

   oder Stil? Sicher!

Ãœber zwanzig Jahre konzertieren die Dresdner Kapellsolisten nun schon erfolgreich
im In- und Ausland. Seinen mehr als zwei Dutzend Einspielungen fügt das Ensemble dieser
Tage drei aufsehenerregende SACDs beim Label ARS Produktion hinzu.

B evor die Musiker zu Wort kommen,                  Ensembles – die Klangschönheit darf ebenfalls     der Kollegen vermerkt… Bis die Blicke hektisch
           lassen wir die Musik sprechen. Oder      in den Mittelpunkt rücken. „Am wichtigsten ist,   zwischen Konzertmeister und Kontrabass hin-
           besser: die Vögel singen! Die neue SACD  dass man nie aufhört, nach authentischen Inter­­  und herflogen, bis sie alle merkten: das wird
           der Dresdner Kapellsolisten beginnt mit  pretationen der Werke zu suchen“, sagt Branny,    kompliziert. Der Cellist Jan Vogler war es
 Vivaldis „Frühling“. Paradiesisch unbekümmert      ein Forscher und Entdecker auf dem Gebiet der     schließlich, der die erlösenden Worte aussprach:
 zwitschern die Geigen sich durch den ersten Satz.  Aufführungspraxis der Alten Musik. Mit dem Frei­  Helmut, dirigiere doch einfach, das ist für uns
 Im Mittelsatz indes zucken historisch informierte  burger Barockorchester hat er ebenso musiziert    viel leichter! An der Idee der musikalischen
 Barockdrosseln nervös mit dem Schwanz. Dieses      wie mit der Akademie für Alte Musik Berlin; aber  Gleichberechtigung aller Mitglieder des Or­
 innige, beseelte Vibrato der Solistin (Konzert­    auch mit Zeitgenossen wie Rihm oder Takashi       chesters hat das jedoch nichts geändert: jeder
 meisterin Susanne Branny) – darf man Vivaldi       Jashimatsu hat er sich auseinandergesetzt.        einzelne Instrumentalist ist als Ensemblemu­
 denn überhaupt noch so spielen?
                                                                     siker, aber immer auch in seiner Eigenschaft
                                                        Ans Dirigentenpult der Dresdner Kapells­o­    als Solist gefordert.
      Man darf, würde der Kontrabassist und Diri­   lis­ten zu treten – dazu musste Branny hingegen
 gent der Dresdner Kapellsolisten, Helmut Branny,   am Anfang fast überredet werden. Zu Gründungs­        Dabei spielt die Auseinandersetzung mit der
 argumentieren. Wenn man sich denn bewusst          zeiten hatte er vorgehabt, die Musiker vom Kon­   jeweils zeitgenössischen Musizierpraxis für alle
 für ein bestimmtes Klangbild entschieden hat:      trabass aus als Erster unter Gleichen zu führen.  eine große Rolle. Allein die Besetzung bei den
 dann darf es ruhig mal rauh klingen, aber – und    Die Stimme hatte er sich penibel eingerichtet,    „Vier Jahreszeiten“: die zwei Dutzend Musiker
 das ist vielleicht eins der Markenzeichen seines   die Einsätze notiert, die Striche und Dynamiken   spiegeln die damaligen Ensembledimensionen

Festliches Konzert                                  Virtuose Violinmusik                              Dresdner Fagottkonzerte aus Schrank II
Bach, Corelli, Händel, Telemann,                    Vivaldi: Vier Jahreszeiten                        Graun, Horneck, Reichenauer
Torelli, Vivaldi                                    Telemann: Don Quichotte Suite                     Telemann: Konzert für 2 Hörner
Dresdner Kapellsolisten, Helmut Branny              Dresdner Kapellsolisten, Helmut Branny            Dresdner Kapellsolisten, Helmut Branny

ARS Produktion ARS 38 164 (Hybrid-SACD)             ARS Produktion ARS 38 190 (Hybrid-SACD)           ARS Produktion ARS 38 198 (Hybrid-SACD)

                                                                4 Ausgabe 2016/1
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