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CLASS: aktuell

                                          Fotos: © MDG

























                                          Christian Euler und Paul Rivinius

               Es bleibt ein Staunen



               Das Duo Euler Rivinius mit sämtlichen Violawerken von Vieuxtemps


               uf der Violine eilte Henri Vieuxtemps   für die französisch-belgische Violinschule ist, die
               von Erfolg zu Erfolg; Robert Schumann   Vieuxtemps und nach ihm sein Schüler Ysaÿe
               verglich ihn gar mit Niccolò Paganini.   wesentlich prägten, kommt auf der Viola be-
          A Seine heimliche Liebe galt jedoch der   sonders gut zur Geltung. Schon der Beginn der
         Viola, für die er einige seiner schönsten Kompo-  Sonate op. 36 mit seinen langen Bögen, vor allem
         sitionen schuf. Christian Euler und Paul Rivinius   aber die Barcarolle schwingt bei Christian Euler
         haben mit Einspielungen englischer Violamusik   so luftig und frei, dabei trotzdem von volltönen-
         und Werken von Paul Hindemith Maßstäbe ge-  der Intensität, dass es eine Freude ist.
         setzt; ihre Vieuxtemps-Darbietungen werden jetzt   Der vielleicht schönste Beitrag in dieser
         nicht nur überzeugte Bratschenfreunde entzü-  Zusammenstellung ist die Elegie op. 30. Paul
         cken. Denn das gesangliche Spiel, das so typisch   Rivinius erzeugt mit trocken getupften Akkor-
                                             den auf dem Steinway-Konzertflügel „Manfred
                                             Bürki“  von  1901  schon  von  Anfang  an  eine
                                             Atmosphäre, in  der  sich  der melancholische
                                             Gesang der Viola in endloser Klage entfalten
                                             kann. Und wenn es am Ende so richtig zur Sache
                                             geht, bleibt ein Staunen, was auf der Bratsche
                                             so alles möglich ist.
                                               Das zeigt Christian Euler auch solo: Das kurze
                                             Capriccio vereint akkordisch-polyphones Spiel   weitere Einspielungen:
                                             und virtuose Läufe auf engem Raum. Eine Be-
                                             sonderheit ist die groß angelegte „Unvollendete   Sonaten für Viola
                                             Sonate op. posth.“, und für Raritätenjäger ist die   Arnold Bax, Arthur Bliss &
                                             Etüde für Viola und Klavier vermutlich hier das   Ralph Vaughan Williams
                                             erste mal überhaupt eingespielt. Natürlich ist   Sonaten für Viola und Klavier
                                             auch diese liebevolle Zusammenstellung in feins-  MDG 903 1796-6  (Hybrid-sACD)
                                             ter,  hochauflösender  Super Audio CD-Technik   Paul Hindemith  (1895 -1963)
         Henri Vieuxtemps  (1820-1881)       produziert. Und für alle, die es noch luxuriöser   Solosonaten op. 25,1 & 11.1
         Werke für Viola                     lieben: In 2+2+2 Recording  aufgenommen,    für Viola
         Christian Euler, Viola              lässt sich das hochwertige Programm auch in   Sonaten op. 11.4 & 25.4
         Paul Rivinius, Klavier              echten drei Dimensionen wiedergeben – ein   für Viola und Klavier
         MDG 903 2063-6  (Hybrid-sACD)       berauschendes Klangfest!   Klaus Friedrich  MDG 903 1952-6  (Hybrid-sACD)

                                                    10   AusgAbe 2018/1
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