Page 12 - KlassikCenter Kassel News Januar - Juni 2019
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Magnificat

        Marienmusik aus dem ev. Dom St. Marien zu Wurzen von Lohr, Schütz, Hammerschmidt,
        Buxtehude, Hassler, Mendelssohn, Rheinberger, Reinthaler, Bach, Hairston, Dawson,
        Smith, Miskinis, Swider, Franck, Werman, Reger, Zöbeley, Stanford

        Jugendkantorei des Wurzener Domes, Johannes Dickert
        Johannes Dickert, Willy Wagner, Orgel

        Querstand VKJK1903, PC: CF, VÖ: 12.6.2019, 4025796019032
        Wenn man seit über 30 Jahren als Chor oder als Chorleiter an einer Marien-Kirche beheimatet ist,
        kann man sich auch als evangelischer Christ dem Thema Maria schwer entziehen. Obwohl den

        Protestanten  ein  recht  abgekühltes  Verhältnis  zur  Mutter  Jesu  unterstellt  wird,  stolpert  man
        förmlich in so einer Kirche über Texte, Darstellungen und Hinweise einer Marien-Frömmigkeit –
        einer Frömmigkeit, die Maria nicht unbedingt zur Fürsprecherin bei Gott macht, aber Vorbild des
        Glaubens ist sie allemal.
        Wenn  dann  nach  einem  anstrengenden  Probentag  in  einem  Dom  aus  dem  12.  Jahrhundert  in
        mittelalterlichen  Melodien  von  jungen  Stimmen  die  alten  Worte  aus  dem  Neuen  Testament:
        „Meine Seele erhebt den Herrn und mein Geist freuet sich Gottes, meines Heilandes“ erklingen,
        denkt man auch als Lutheraner – MAGNIFICAT!
        Magnificat-Vertonungen bilden infolgedessen das Gerüst der neuen, insgesamt vierten CD der
        Jugendkantorei des Wurzener Domes. Freilich kann man sich musikalisch nicht mit Maria
        beschäftigen, ohne auch von ihrem Sohn Jesus zu singen, gewissermaßen die ganze Geschichte
        zu erzählen. So tut es auch die Jugendkantorei auf dieser CD (Hairston – „Amen“). Da sind noch
        die Beispielrede des Wanderpredigers wie „Ich bin ein rechter Weinstock“ (Schütz), die zum
        Festhalten an Gott ermutigt, die Frage nach dem rechten Beten, die Jesus mit dem „Vater unser“
        (Wermann) beantwortet, die Sehnsucht nach Gottes Nähe und Gegenwart in „Kyrie und Gloria“
        von Rheinberger oder in Mendelssohns „Ich hebe meine Augen auf zu den Bergen“. Eine zentrale
        Bedeutung in Jesu Predigt spielt das Reich Gottes, das schon hier in dieser Welt zu erspüren ist
        und die Vergänglichkeit überdauert. Jesus selbst lebte in dieser Hoffnung der untrennbaren
        Gemeinschaft mit Gott und auch die Spirituals singen davon je in den Bildern ihrer Zeit.
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