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Berlioz und Canteloube

               Hector Berlioz: Les Nuits d‘été
               Suzanne Danco, Sopran
               Cincinnati Symphony Orchestra, Thor Johnson

               Joseph Canteloube: Chants de la France
               Lucie Dauliène, Sopran
               Joseph Canteloube, Klavier

               Eloquence ELQ4828586, PC: BL, VÖ: 19.6.2019, 0028948285860

               Schneewittchen singt Canteloube in Begleitung des Komponisten: ein seltenes und
               neu  überarbeitetes  Album,  das  erstmals  von  den  Original-Masterbändern  auf  eine
               Decca-CD übertragen wurde.
               R.J. Stove beschreibt im Booklettext, dass Lucie Daullène (geb. 1931) also 1949-50
               gerade  mal  19  Jahre  alt  war,  als  sie  für  L‘Oiseau-Lyre  ein  Album  mit  dem  Titel
               „Chants de France“ aufnahm. Ihre Stimme ist so leicht, frisch und unverstellt, dass
               man leicht hören kann, warum Canteloube sie für ideal hielt. „So sollten französische
               Volkslieder gesungen werden“, schrieb er einmal. Obwohl Daullène nur eine weitere
               klassische Aufnahme machte, erlangte sie später einen gewissen Bekanntheitsgrad
               (unter dem Künstlernamen Dolène) als Stimme von Disneys Heldin Schneewittchen
               in der synchronisierten französischen Version des Films.
               Am  Klavier  wirft  der  geniale  Canteloube  mit  Skalen,  Arpeggios  und  Glissandi  mit

               einem Elan um sich, um den ihn viele jüngere Pianisten beneiden. Er hatte die Songs
               selbst von der Bretagne bis nach Korsika gesammelt, und keiner von ihnen tauchte
               in den bekannteren „Chants d‘Auvergne“ auf, obwohl Daullène selbst aus der Region
               stammte.  Das  macht  diese  neue  Veröffentlichung  umso  attraktiver  für  jeden,  der
               schon von Canteloube fasziniert war.
               Der „Bonus“ hier ist bekannter, aber immer noch unterbewertet: Die erste
               vollständige Aufnahme von „Les Nuits d‘été“ aus dem Jahr 1953, als Berlioz selbst in
               Frankreich noch für wenig mehr als die „Symphonie fantastique“ bekannt war. Das
               wurde von der belgischen Sopranistin Suzanne Danco mit einer natürlichen
               sprachlichen Leichtigkeit gesungen. Dancos Interpretation bleibt ein Meilenstein in
               der Diskografie des Zyklus.
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