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Wien, Weib und Gesang

               Arien aus Operetten von Johann Strauß II, Millöcker, Suppé, Lehár, Kálmán,
               Dostal, Künneke, Kattnig, Czernik

               Renate Holm, Sopran
               Werner Krenn, Tenor
               Wiener Volksopernchor
               Wiener Großstadtkinderchor

               Orchester der Wiener Volksoper, Anton Paulik
               Eloquence ELQ4840156, PC: BG (2 CD), VÖ: 19.6.2019, 0028948401567

               Ein  Fest  der Wiener  Operette  auf  zwei  Decca-Alben,  komplett  neu  gemastert  und
               neu aufgelegt.
               Der  1901  in  Pressburg  geborene  Anton  Paulik  war  jahrzehntelang  im
               Orchestergraben  der  „leichteren“  Wiener  Lyriktheater  ein  Ruhe  ausstrahlender
               Akteur,  der  die  Musik  des  „Walzerkönigs“  und  seiner  Nachfolger  zum  Strahlen
               bringen  konnte  wie  wenige  andere.  Im  Sommer  1969  wurde  ihm  kurzfristig  die
               Leitung der Volksoper übertragen. Er wußte, wie man Operetten so spielt, das ihre
               Melodien nach der Premiere auf den Straßen gepfiffen werden, und er wußte auch,
               wie  man  sie  gleichzeitig  seriös  klingen  lässt.  In  dieser  Hinsicht  ist  er  nur  mit  dem
               Clemens  Krauss  der  berühmten  Fledermaus-Aufnahme  (ebenfalls  auf  Eloquence,
               4827379) vergleichbar.

               1958  hatten  Paulik  und  die  Volksoper  ein  Album  mit  Ausschnitten  aus  der
               bekanntesten Operette von Emmerich Kálmán, Grafin Märitza, aufgenommen. Dies
               geschah  unter  Studiobedingungen  im  Sofiensaal  der  Stadt.  Die  Anwesenheit  von
               Paulik  auf  dem  Podium  war  ein  Garant  für  Authentizität:  Er  hatte  bereits  die
               Uraufführung  1926  im  Theater an  der Wien  geleitet.  Marcel  Prawy,  der Kálmán  in
               den letzten Jahren des Komponisten nahe stand, produzierte die Aufnahme für RCA
               (sie erschien erstmals 1973 bei Decca). Um sie in die richtige Stimmung zu bringen,
               brachte  Prawy  die  gesamte  Besetzung  an  die  nahe  ungarische  Grenze  am
               Neusiedler See. Auf der Suche nach einer echten Zigeunerband gingen Prawy und
               Paulik  in  das Wiener  Pataky  Restaurant,  wo  kürzlich  eine  neue  Gruppe  ihr  Debüt
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